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Zwanzigeins statt Einundzwanzig – Was eine neue Studie über Rechenschwäche bei Kindern zeigt

Eine aktuelle Studie belegt: Rechenschwache Kinder machen deutlich weniger Fehler, wenn Zahlen stellenwertgerecht gesprochen werden – also „zwanzigeins" statt „einundzwanzig". Was steckt dahinter, und was können Eltern konkret tun?

Das Problem: Warum deutsche Zahlen für Kinder besonders schwierig sind

Im Deutschen werden zweistellige Zahlen in umgekehrter Reihenfolge gesprochen. Die Zahl 21 heißt auf Deutsch „einundzwanzig" – zuerst die Einer, dann die Zehner. Dabei schreiben und lesen wir Zahlen genau andersherum: erst die 2 (Zehner), dann die 1 (Einer). Diese Verdrehung zwischen Sprechen und Schreiben ist für viele Kinder verwirrend – besonders für Kinder mit Rechenschwierigkeiten oder Dyskalkulie.

Wissenschaftler nennen dieses Phänomen „Inversion" und forschen seit Jahrzehnten dazu, wie es das Erlernen von Zahlen beeinflusst. In anderen Sprachen wie dem Englischen (twenty-one = zwanzigeins) oder dem Chinesischen gibt es diese Verdrehung nicht – was ein Grund dafür sein könnte, warum Kinder in diesen Ländern früher sicher mit Zahlen umgehen können.

Für Kinder, die ohnehin Schwierigkeiten mit Zahlen haben, ist die Inversion eine zusätzliche kognitive Last: Das gehörte Wort und das geschriebene Symbol stimmen nicht überein. Das Gehirn muss ständig übersetzen – und das kostet Ressourcen, die dann beim eigentlichen Rechnen fehlen.

Die Studie: 40 rechenschwache Kinder, überraschend klare Ergebnisse

Eine aktuelle Studie von Hartwig, Kuhl, von Aster und Morfeld (2026), veröffentlicht in der Fachzeitschrift Lernen und Lernstörungen (peer-reviewed, Open Access), hat genau diese Frage untersucht: Profitieren rechenschwache Kinder von einer stellenwertgerechten Zahlensprechweise – also „zwanzigeins" statt „einundzwanzig"?

An der Studie nahmen 40 rechenschwache Grundschulkinder aus Berlin und Umgebung teil, im Alter von 8 bis 13 Jahren. Alle Kinder waren von ihren Lehrkräften als rechenschwach eingestuft worden und befanden sich in lerntherapeutischen Einrichtungen. Teils waren sie zusätzlich in kinderpsychiatrischer Behandlung. Die Studienleitung lag bei Prof. Dr. Michael von Aster, Sonderpädagoge und Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Das Studiendesign war ein randomized controlled trial with cross-over: Jedes Kind hörte Zahlen sowohl in der traditionellen verdrehten Sprechweise als auch in der stellenwertgerechten Sprechweise und musste diese in eine App eingeben. Die Reihenfolge wurde zufällig variiert, um Lerneffekte auszuschließen. Gemessen wurden Bearbeitungszeit und Fehleranzahl.

Die Ergebnisse: 67% weniger Fehler – ohne Vorbereitung

Die Ergebnisse waren eindeutig und statistisch hochsignifikant:

  • Die durchschnittliche Fehlerzahl sank von 2,7 Fehlern pro Durchgang (verdrehte Sprechweise) auf 0,9 Fehler (stellenwertgerechte Sprechweise) – eine Reduktion um 67%
  • Der Anteil fehlerfreier Durchgänge stieg von 42,5% auf 70%
  • Die Bearbeitungszeit sank um ca. 15% (nach Bereinigung um die kürzere Ansagedauer)
  • Alle Unterschiede waren statistisch signifikant (p < 0,05)

Besonders bemerkenswert: Die Kinder hatten keinerlei pädagogische Einführung in die neue Sprechweise erhalten. Sie hörten „zwanzigeins" zum ersten Mal – und profitierten trotzdem sofort davon. Das deutet darauf hin, dass die stellenwertgerechte Sprechweise intuitiv verständlich ist, weil sie der Schreibweise der Zahl einfach entspricht.

Kein Einzelfall: Was frühere Studien zeigen

Die Berliner Studie steht nicht allein. Zwanzigeins e.V. hat mehrere Vorläuferstudien dokumentiert, die alle in dieselbe Richtung zeigen:

Eine österreichische Pilotstudie (Schmid, 2023) mit 55 Grundschulkindern der 2. Klasse zeigte: Die Fehlerzahl sank von 2,6 auf 0,6 pro Durchgang, fehlerfreie Durchgänge stiegen von 22% auf 71%.

Eine groß angelegte österreichische Hauptstudie (Kramer, Morfeld, Summer, 2025) mit 506 Kindern an 30 Grundschulen bestätigte: Fehleranzahl sank von 2,6 auf 0,9, fehlerfreie Durchgänge stiegen von 32% auf 63,8%.

Eine Sekundäranalyse von drei frühen Schulversuchen aus den Jahren 1953, 1955 und 2006 zeigte einheitlich: Fehlerreduktionen von 40–50% bei stellenwertgerechter Sprechweise.

Die Forschungslage ist damit ungewöhnlich konsistent: Über Jahrzehnte, verschiedene Länder und unterschiedliche Altersgruppen hinweg zeigt die stellenwertgerechte Sprechweise einen klaren Vorteil – insbesondere für Kinder mit Rechenschwierigkeiten.

Was bedeutet das für Kinder mit Dyskalkulie?

Für Kinder mit Rechenschwäche oder Dyskalkulie ist die Inversion der deutschen Zahlen eine zusätzliche kognitive Hürde. Während andere Kinder diese Hürde im Laufe der Zeit automatisieren, bleibt sie für rechenschwache Kinder oft dauerhaft belastend.

Jedes Zahlendiktat erfordert eine mentale Übersetzungsleistung: Das Kind hört „einundzwanzig", muss aber 21 schreiben. Das kostet Arbeitsgedächtnis-Kapazität – die dann für das eigentliche Rechnen fehlt. Kinder mit Dyskalkulie haben oft ohnehin ein eingeschränkteres Arbeitsgedächtnis für numerische Inhalte. Jede zusätzliche Last verschlechtert die Leistung messbar.

Die stellenwertgerechte Sprechweise beseitigt genau dieses Problem: „zwanzigeins" entspricht der Schreibweise 21 – Zehner zuerst, Einer danach. Die kognitive Übersetzung entfällt, das Arbeitsgedächtnis wird entlastet, und das Kind kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: das Verstehen und Verarbeiten der Zahl.

Was Eltern zuhause tun können

Die Forschung ist eindeutig, aber eine offizielle Einführung von „zwanzigeins" im deutschen Schulsystem steht noch aus. Was können Eltern trotzdem tun?

  1. Beim Üben zuhause die stellenwertgerechte Sprechweise parallel einführen: „Das ist die 21 – zwanzig und eins." Kinder gewöhnen sich schnell daran, weil es logisch ist.
  2. Beim Zahlendiktat langsam und strukturiert ansagen: Erst die Zehner, dann die Einer benennen. Statt „einundzwanzig" einfach „zwanzigeins" sagen – und kurz erklären, warum.
  3. Mit dem Kind über die „Verdrehung" sprechen: Viele Kinder empfinden es als Erleichterung zu verstehen, warum Zahlen schwierig sind – es liegt nicht an ihnen, sondern an der Sprache.
  4. Mit Lerntherapeutinnen und Lehrkräften über die Methode sprechen: Gut informierte Fachkräfte können die Methode gezielt einsetzen und den Effekt verstärken.
  5. Die Zwanzigeins-App zum Üben nutzen (kostenlos): zwanzigeins.jetzt/app

Was Lehrkräfte und Therapeuten beachten sollten

Die Studie empfiehlt ausdrücklich, die stellenwertgerechte Sprechweise als unterstützende Methode im Mathematikunterricht und in der Lerntherapie einzubeziehen. Ein wichtiger Befund dabei: Die Kinder werden durch die ungewohnte Sprechweise kaum irritiert – das zeigen alle vorliegenden Studien einheitlich. Der Vorteil tritt sogar ohne pädagogische Vorbereitung auf.

Für Lehrkräfte und Lerntherapeuten bedeutet das: Es lohnt sich, diese Methode als ergänzendes Werkzeug einzusetzen, besonders bei Kindern mit ausgeprägten Schwierigkeiten beim Zahlendiktat und der sogenannten Transkodierung (dem Übersetzen zwischen gesprochener Zahl und geschriebenem Symbol).

Die Methode ersetzt keine umfassende Dyskalkulietherapie, kann aber als niedrigschwelliges Hilfsmittel sofort eingesetzt werden – ohne Materialkosten, ohne aufwendige Schulung, und mit messbarem Effekt.

Hintergrund: Zwanzigeins e.V. und die Forschungsbewegung

Hinter der Studie steht auch die Arbeit von Zwanzigeins e.V., einem deutschen Verein, der sich seit Jahren für die Einführung einer stellenwertgerechten Zahlensprechweise im deutschsprachigen Raum einsetzt. Der Verein stellt alle Studien und Materialien frei zugänglich bereit.

Die aktuelle Studie ist als Open-Access-Artikel in der renommierten Fachzeitschrift Lernen und Lernstörungen erschienen – kostenlos und ohne Paywall für alle einsehbar. Das ist wichtig: Eltern, Lehrkräfte und Therapeuten können die Originalstudie direkt lesen und sich selbst ein Bild machen, ohne auf Zusammenfassungen angewiesen zu sein.

Quellen und weiterführende Links

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Hinweis: Dieser Inhalt wurde mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz erstellt (Art. 50 Abs. 4 KI-VO).