Warum Kommunikation bei LRS entscheidend ist
Lese-Rechtschreib-Schwäche ist keine isolierte schulische Herausforderung. Sie greift in den Familienalltag ein, beeinflusst das Selbstbild des Kindes, belastet die Beziehung zwischen Eltern und Kind und prägt das Verhältnis zur Schule maßgeblich. Und doch wird Kommunikation in der LRS-Förderung selten als eigenständiges Thema behandelt.
Dabei zeigen Studien und Erfahrungsberichte aus der Praxis immer wieder: Kinder mit LRS, deren Eltern gelernt haben, offen, ruhig und lösungsorientiert zu kommunizieren — sowohl mit dem Kind selbst als auch mit Lehrkräften und Therapeuten — machen deutlich bessere Fortschritte als Kinder, die in einem Umfeld aus Druck, Missverständnissen und Konflikten aufwachsen.
Eltern sind dabei nicht die Probleme — sie sind die wichtigste Ressource ihres Kindes. Diese Seite erklärt, welche Kommunikationsmodelle dabei helfen, diese Ressource gezielt einzusetzen: Das Sender-Empfänger-Modell nach Shannon und Weaver, Watzlawicks fünf Axiome, die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg sowie systemisches Denken im Familienkontext. Kein theoretischer Exkurs — sondern praktische Werkzeuge für den LRS-Alltag.
Das Sender-Empfänger-Modell (Shannon/Weaver)
Das von Claude Shannon und Warren Weaver in den 1940er-Jahren entwickelte Sender-Empfänger-Modell beschreibt Kommunikation als Übertragungsvorgang: Ein Sender kodiert eine Botschaft, die über einen Kanal — Sprache, Schrift, Mimik, Gestik — an den Empfänger übermittelt wird. Der Empfänger dekodiert die Botschaft und gibt idealerweise Rückmeldung. Das klingt simpel. In der Realität scheitert dieser Prozess jedoch ständig — durch Rauschen.
Rauschen im kommunikationstheoretischen Sinne sind alle Faktoren, die zwischen der gemeinten Botschaft und der tatsächlich empfangenen Botschaft stören: Ablenkung, emotionaler Stress, unterschiedliche Vorannahmen, Müdigkeit, Sprachebene, Tonfall, Körperhaltung. Bei Kindern mit LRS kommen noch spezifische Faktoren hinzu: Scham, Leistungsdruck, die tägliche Erfahrung des Scheiterns und ein häufig angegriffenes Selbstwertgefühl.
Praxisbeispiel: Eine Lehrerin sagt am Ende einer Stunde zu einem Schüler mit LRS: "Sitz dich beim nächsten Diktat konzentrierter hin." Ihre gemeinte Botschaft ist ein freundlicher Tipp zur Haltung. Was das Kind hört: "Du bist unkonzentriert. Du bist schlechter als die anderen." Das Rauschen besteht hier aus dem Erfahrungskontext des Kindes — aus Dutzenden von Situationen, in denen schlechte Noten mit mangelnder Anstrengung gleichgesetzt wurden.
Was Eltern daraus lernen: Botschaften kommen fast nie so an, wie sie gemeint sind — besonders wenn das Kind sich unter Druck fühlt. Eltern können gezielt nachfragen: "Was hast du gerade gehört, als ich das gesagt habe?" Diese simple Rückkanal-Übung öffnet oft überraschende Einblicke in die Wahrnehmung des Kindes.
Praktische Übung: Formuliere heute Abend eine Bitte an dein Kind in drei Varianten: erst als Anweisung ("Du musst die Hausaufgaben fertig machen"), dann als Aussage über dich ("Ich mache mir Sorgen, wenn die Aufgaben bis morgen nicht fertig sind") und schließlich als Frage ("Was brauchst du, damit du die Hausaufgaben heute schaffst?"). Beobachte, welche Formulierung das Kind öffnet — und welche es schließt.
Watzlawicks 5 Axiome der Kommunikation
Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick formulierte in seinem Standardwerk "Menschliche Kommunikation" (Hogrefe Verlag) fünf grundlegende Axiome, die beschreiben, wie Kommunikation tatsächlich funktioniert. Für Eltern von LRS-Kindern sind sie hochrelevant.
Axiom 1: Man kann nicht nicht kommunizieren
Jedes Verhalten ist Kommunikation — auch Schweigen, Wegschauen oder das Stirnrunzeln beim Anblick des Hefts. Ein Kind mit LRS registriert die angespannte Miene des Vaters beim Diktat-Aufsatz sofort. Selbst wenn kein Wort fällt, empfängt es die Botschaft: "Das ist nicht gut genug." Eltern können diese unbewusste Kommunikation nicht abstellen — aber sie können sie bewusst gestalten.
Axiom 2: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
Was gesagt wird (Inhalt) und wie es gesagt wird (Beziehung) sind zwei verschiedene Ebenen. Der Beziehungsaspekt überlagert häufig den Inhalt. Wenn ein Elternteil sagt "Das schreibst du falsch" und dabei einen scharfen Ton anschlägt, hört das Kind nicht den sachlichen Hinweis — es hört: "Ich bin enttäuscht von dir." Im LRS-Kontext ist diese Unterscheidung entscheidend: sachliche Korrekturen müssen auf einer tragfähigen Beziehungsebene stattfinden.
Axiom 3: Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung zugleich
Watzlawick nannte das die "Interpunktion von Ereignisfolgen". Eltern sagen: "Ich werde laut, weil das Kind nicht lernt." Das Kind sagt: "Ich lerne nicht, weil Eltern immer so laut werden." Beide haben subjektiv recht — und keine Version ist die einzig wahre. Im LRS-Kontext hilft es, diese Zirkularität zu erkennen: Nicht das Kind ist schuld, nicht die Eltern — die Situation selbst hat sich verselbstständigt und braucht eine bewusste Unterbrechung.
Axiom 4: Digitale und analoge Kommunikation
Digitale Kommunikation meint Sprache und Worte — präzise, aber arm an emotionalem Ausdruck. Analoge Kommunikation meint Körpersprache, Tonfall, Mimik — unscharf, aber emotional reichhaltig. Kinder, besonders Grundschulkinder, nehmen die analoge Ebene stärker wahr als die digitale. Deshalb zählt beim Hausaufgaben-Stress nicht so sehr, was gesagt wird, sondern wie die Eltern dabei klingen und aussehen.
Axiom 5: Symmetrische und komplementäre Kommunikation
Eltern und Kinder kommunizieren komplementär — auf ungleicher Ebene. Das ist normal. Aber im Gespräch mit Lehrkräften erleben viele Eltern ebenfalls eine komplementäre Situation: die Expertin (Lehrerin) und die Laiin (Mutter). Diese empfundene Hierarchie hemmt offene Kommunikation. Das Wissen um dieses Axiom ermöglicht es Eltern, gezielt nach einer symmetrischeren Gesprächsführung zu streben — durch sachliche Vorbereitung, ruhige Formulierungen und das Einbringen eigener Beobachtungen als gleichwertige Informationsquelle.
Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg
Die von Marshall Rosenberg entwickelte Gewaltfreie Kommunikation (GfK) ist eines der wirkungsvollsten Werkzeuge, die Eltern von LRS-Kindern einsetzen können. Das Modell basiert auf der Annahme, dass Konflikte entstehen, wenn Bedürfnisse nicht erfüllt werden — und dass Gewalt (ob verbal oder physisch) immer ein Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse ist. Weitere Informationen bietet das Center for Nonviolent Communication (cnvc.org).
Die GfK arbeitet mit vier Schritten:
- Beobachtung — Was nehme ich konkret wahr, ohne Bewertung?
- Gefühl — Was fühle ich dabei?
- Bedürfnis — Welches Bedürfnis steckt hinter meinem Gefühl?
- Bitte — Was bitte ich konkret — ohne Forderung?
Praxisbeispiel 1: Hausaufgaben-Eskalation entschärfen
Das Kind sitzt seit einer Stunde am Schreibtisch, das Heft ist noch leer, der Stift liegt auf dem Boden. Der Klassiker: ein Elternteil verliert die Geduld. Mit GfK würde das Gespräch stattdessen so klingen:
"Ich sehe, dass du seit einer Stunde am Tisch sitzt und das Heft noch leer ist." (Beobachtung — ohne "du machst gar nichts") "Ich fühle mich gerade hilflos und mache mir Sorgen." (Gefühl — kein Vorwurf) "Ich brauche das Gefühl, dass du Unterstützung bekommst, die wirklich hilft." (Bedürfnis) "Darf ich mich für fünf Minuten neben dich setzen und schauen, wo es hakt?" (Bitte)
Praxisbeispiel 2: Gespräch mit der Lehrkraft über den Nachteilsausgleich
Ein Gespräch über den Nachteilsausgleich kann schnell eskalieren, wenn Eltern frustriert ankommen. Mit GfK:
"Ich habe beobachtet, dass mein Kind die Diktate in der vorgegebenen Zeit nicht fertig schreibt und anschließend sehr aufgewühlt nach Hause kommt." (Beobachtung) "Das macht mir Sorgen — ich möchte, dass mein Kind faire Lernbedingungen hat." (Gefühl + Bedürfnis) "Ich würde gerne gemeinsam besprechen, welche Möglichkeiten es im Rahmen des Nachteilsausgleichs gibt — könnten wir dafür einen Termin vereinbaren?" (Bitte)
Praxisbeispiel 3: Gespräch mit dem Kind nach schlechter Note
Das Kind kommt mit einer Vier minus im Diktat nach Hause, faltet das Heft zusammen und sagt nichts. Mit GfK:
"Ich sehe, dass du das Heft zugeklappt hast." (Beobachtung) "Ich vermute, du bist gerade enttäuscht oder ärgerlich." (Gefühl zuspiegeln) "Das verstehe ich — du hast wirklich geübt." (Bedürfnis anerkennen: Wertschätzung) "Magst du mir erzählen, wie das Diktat für dich war? Oder möchtest du lieber erst eine Pause?" (offene Bitte)
Häufige Fallstricke
Der häufigste Fehler in der GfK-Praxis: Bewertungen als Beobachtungen ausgeben. "Du bist nie konzentriert" ist eine Bewertung — keine Beobachtung. "Ich sehe, dass du während der Aufgabe dreimal aufgestanden bist" ist eine Beobachtung. Ebenfalls problematisch: verdeckte Forderungen als Bitten formulieren. "Ich bitte dich, sofort mit den Hausaufgaben anzufangen" ist keine Bitte — es ist eine höflich verpackte Anweisung. Eine echte Bitte lässt Raum für "Nein" und sucht gemeinsam nach Alternativen.
Systemisches Denken in der Familie
Systemisches Denken stammt aus der Familientherapie und betrachtet die Familie als lebendiges System, in dem jedes Mitglied alle anderen beeinflusst. Kein Verhalten entsteht im Vakuum — jedes Verhalten eines Kindes ist eine Reaktion auf das System, in dem es lebt.
Im LRS-Kontext bedeutet das: Das Kind, das sich beim Lesen weigert, agiert nicht aus Sturheit — es reagiert auf Erfahrungen von Überforderung, Scham oder Enttäuschung, die im System Familie oder Schule entstanden sind. Ein klassischer systemischer Satz lautet: "Das Kind ist nicht das Problem. Das System reagiert auf ein Problem." Das verlagert den Blick von Schuldzuweisung hin zu kollektiver Lösungsverantwortung.
Zirkuläre statt lineare Ursachen-Sicht: Lineare Kausalität fragt: "Wer ist schuld?" Zirkuläre Kausalität fragt: "Welche Muster verstärken sich gegenseitig?" Wenn ein Kind mit LRS lernt, dass Lesefehler Stress bei den Eltern auslösen, vermeidet es das Lesen — was wiederum die Eltern stresst. Das Muster dreht sich im Kreis. Systemisches Denken hilft, diesen Kreis zu erkennen und gezielt zu unterbrechen.
Ressourcenorientierung statt Defizit-Blick: Systemische Arbeit fragt nicht "Was fehlt dem Kind?", sondern "Was kann das Kind bereits gut?" Diese Verschiebung klingt klein, ist aber enorm folgenreich: Ein Kind, das als "zu langsam" wahrgenommen wird, kann gleichzeitig außerordentlich kreativ, empathisch oder ausdauernd sein. Diese Stärken gezielt zu benennen und einzusetzen, ist der systemische Weg zur Förderung.
Weiterführende Informationen bietet die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF).
Verständnis für Pädagogen aufbauen
Einer der häufigsten Kommunikationsfehler im LRS-Umfeld passiert zwischen Eltern und Lehrkräften — nicht aus böser Absicht, sondern aus unterschiedlichen Perspektiven und Informationsständen. Wer verstehen will, wie Kommunikation mit Lehrpersonen gelingt, muss zunächst verstehen, in welchem Kontext diese arbeiten.
Eine Grundschullehrerin unterrichtet täglich 25 bis 30 Kinder — in manchen Klassen sitzen mehrere mit unterschiedlichen Förderbedarfen gleichzeitig: LRS, ADHS, Deutsch als Zweitsprache, Hochbegabung. Der Lehrplan ist vorgeschrieben, die Unterrichtszeit knapp. Differenzierung — also das Anpassen von Aufgaben an unterschiedliche Lernstände — ist professionell geboten, praktisch aber extrem aufwändig. Hinzu kommen: Elternkommunikation, Verwaltungsaufgaben, Konferenzen, Vertretungsstunden.
Wer das weiß, kann häufige Frustrationspunkte anders deuten:
- "Die Lehrerin sieht mein Kind nicht." — Realistischer Blick: Mit 28 Kindern und einem engen Stundenplan ist individuelle Aufmerksamkeit begrenzt. Das ist keine Gleichgültigkeit — es ist strukturelle Überforderung. Eltern können helfen, indem sie der Lehrerin konkrete Beobachtungen aus dem Alltag mitteilen.
- "Sie schreibt zu viele Diktate." — Diktate sind curricular vorgeschrieben. Die Lehrkraft folgt dem Lehrplan. Anstatt die Diktate zu hinterfragen, ist es sinnvoller, über Bewertungsmodalitäten (Nachteilsausgleich, Notenschutz) zu sprechen.
- "Sie reagiert nicht auf meine E-Mail." — Lehrkräfte erhalten täglich viele Nachrichten, haben kein dienstliches Mailkonto und sind nicht zu schnellen Antworten verpflichtet. Ein kurzer Anruf im Sekretariat oder eine Nachricht über das Schulheft ist häufig wirksamer.
Plädoyer für Augenhöhe statt Konfrontation: Das Ziel jedes Schul-Gesprächs sollte sein, eine Allianz für das Kind zu schaffen — keine Fronten. Lehrkräfte, die das Gefühl haben, dass Eltern mit ihnen arbeiten statt gegen sie, sind deutlich kooperativer bei der Umsetzung von Fördermaßnahmen.
Konkrete Tipps für ein konstruktives Schulgespräch:
- Anliegen vorab schriftlich formulieren und der Lehrerin vor dem Termin zukommen lassen
- Drei Beobachtungen mitbringen: Was fällt dem Kind leicht? Was fällt schwer? Was wünscht sich das Kind selbst?
- Offene W-Fragen stellen: "Was beobachten Sie im Unterricht?" statt "Warum fördern Sie mein Kind nicht?"
- Lösungsorientiert bleiben: "Was könnten wir gemeinsam ausprobieren?" statt "Das muss sich ändern."
- Diagnostik-Berichte und Therapie-Berichte mitbringen — als sachliche Informationsgrundlage, nicht als Druckmittel
Eltern-Kind-Kommunikation im Alltag
Der Hausaufgaben-Tisch ist für viele Familien mit LRS-Kindern ein täglicher Krisenherd. Das Aufgabenheft liegt offen, das Kind sitzt, aber der Stift bewegt sich nicht. Drei Minuten später kommen die Tränen. Was jetzt?
Der erste und wichtigste Schritt ist, das Gefühl des Kindes zu benennen — nicht wegzureden: "Ich sehe, dass du gerade frustriert bist." Diese einfache Aussage signalisiert: Ich sehe dich. Ich nehme dein Erleben ernst. Sie lädt das Kind nicht ein, die Emotion zu unterdrücken, sondern schafft Raum, damit sie sich auflösen kann.
Im zweiten Schritt folgt die Bedürfnis-Erkennung: "Ich glaube, du brauchst gerade eine kurze Pause." Fünf Minuten Bewegung — ein Glas Wasser holen, kurz hinausgehen — können mehr bewirken als 20 Minuten erschöpftes Dasitzen.
Was auf keinen Fall hilft:
- Verharmlosung: "Das ist doch gar nicht so schlimm" — invalidiert das Erleben des Kindes und erzeugt das Gefühl, nicht verstanden zu werden.
- Vergleiche: "Andere Kinder schaffen das auch" — erhöht den Druck und beschädigt das Selbstwertgefühl weiter.
- Logik in emotionalen Momenten: "Wenn du jetzt nicht übst, schaffst du das Diktat nicht" — im emotionalen Ausnahmezustand ist der Frontallappen des Kindes kaum zugänglich.
Was hingegen dauerhaft hilft: Stärken konkret benennen. "Du hast heute das Leseblatt dreimal geübt — das ist Ausdauer" ist wirksamer als allgemeines Lob wie "Du bist toll." Spezifisches Feedback baut ein realistisches, positives Selbstbild auf — das beste Fundament für weiteres Lernen.
Praktische Werkzeuge im Schulalltag
Neben den kommunikationstheoretischen Modellen gibt es einfache, strukturierte Routinen, die den Alltag mit einem LRS-Kind spürbar entlasten.
Wochenrückblick mit dem Kind: Nehmt euch jeden Freitag fünf Minuten Zeit für drei Fragen: Was lief diese Woche gut? Was war schwer? Was möchte ich nächste Woche anders machen? Das stärkt die Reflexionsfähigkeit des Kindes, gibt Eltern ehrliches Feedback und schafft eine positive Gesprächsroutine jenseits der täglichen Hausaufgaben-Situation.
Lehrerkontakt-Routine: Wartet nicht auf den nächsten Konflikt. Ein kurzer, positiver Kontakt zur Lehrkraft alle sechs Wochen — ein freundliches Dankeschön per Nachricht, ein kurzer Austausch am Elternsprechtag — etabliert eine Beziehung, die im Ernstfall trägt.
Therapeut-Schule-Eltern als Dreieck: Viele Fördermaßnahmen scheitern daran, dass die drei Beteiligten — Lerntherapeut, Schule, Eltern — nicht miteinander sprechen. Eltern können hier Brücken bauen: Therapeuten-Berichte an die Schule weitergeben (mit Zustimmung), Schulbeobachtungen an den Therapeuten melden, gemeinsame Ziele formulieren.
LERSI als gemeinsame Sprache: Eine App wie LERSI kann als neutraler Boden dienen, auf dem Kind, Eltern und Therapeuten sehen, an welchen Lautstrukturen gearbeitet wird — ohne dass jede Übungseinheit zu einem emotionalen Gespräch wird.
Fazit und nächste Schritte
Kommunikation ist eine Fähigkeit — keine angeborene Eigenschaft. Das bedeutet: Sie kann geübt werden. Watzlawicks Axiome helfen, die Dynamiken zu verstehen, die im Alltag oft unbewusst ablaufen. Die GfK gibt ein konkretes Handwerkszeug, um Konflikte zu deeskalieren. Systemisches Denken weitet den Blick auf das gesamte Umfeld des Kindes. Und ein realistisches Verständnis der Schulsituation schafft die Grundlage für konstruktive Allianzen mit Lehrkräften.
Keines dieser Modelle muss perfekt beherrscht werden. Es reicht, mit einem einzigen Satz anzufangen — einem Satz, der das Gefühl des Kindes anerkennt, statt es wegzuerklären. Aus diesem einen Satz entsteht ein Gespräch. Aus diesem Gespräch entsteht Vertrauen. Und Vertrauen ist das, was LRS-Kinder am dringendsten brauchen.
Mehr praxisnahe Inhalte rund um LRS, Förderung und Alltag findest du in unserem Ratgeber-Bereich. Die LERSI App unterstützt Kinder spielerisch beim täglichen Üben — ein ergänzendes Werkzeug zu allem, was in diesem Artikel beschrieben wurde.
Quellenangaben
- Watzlawick, P., Beavin, J. H. & Jackson, D. D. — Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien (Hogrefe Verlag). hogrefe.com
- Rosenberg, M. B. — Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens (Junfermann Verlag). cnvc.org
- Schulz von Thun, F. — Miteinander reden 1–3 (Rowohlt). schulz-von-thun.de
- KMK — Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben. kmk.org
- BVL — Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie. bvl-legasthenie.de
- Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF). systemische-gesellschaft.de